Montag, 29. Mai 2017

Lesetipp - Rezension zu J.R. Dos Santos "Das Einstein Enigma"


Verlag: Luzar
Seiten: 608
ISBN: 978-3946621003
Preis: 18,50€ (Print) / 12,99€ (Ebook)
Erschienen: 03/2017
Genre: Thriller /Verschwörung und Crime
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Kairo, 2006.
Der portugiesische Kryptanalyst Tomás Noronha soll ein Geheimmanuskript Albert Einsteins entschlüsseln: „Die Gottesformel“ – die vermeintliche Bauanleitung für eine billige Atombombe, mit der Israel das Physik-Genie einst beauftragt habe. So gerät Tomás zwischen die Fronten von Iran und CIA.
Tatsächlich geht es jedoch um die fundamentalen Fragen nach der Entstehung des Universums, dem Sinn des Lebens und Gott. Eine spannende Reise in die Welt von Wissenschaft und Religion. Denn im Rahmen seiner Ermittlungen kommt Tomás einem der größten Rätsel der Welt auf die Spur: dem wissenschaftlichen Beweis für die Existenz Gottes.




„Die Unmöglichkeit der Omnipotenz lässt sich leicht anhand des folgenden Paradoxons erklären: Wenn Gott allmächtig wäre, könnte er einen Stein erschaffen, der so schwer wäre, dass nicht einmal er selbst ihn heben könnte. … Verstehen Sie? Wenn Gott den Stein nicht heben kann, ist er nicht allmächtig. Kann er ihn doch heben, ist er ebenfalls nicht allmächtig, weil er nicht imstande war, einen Stein zu erschaffen, den er nicht heben kann. … Die Schlussfolgerung lautet, es gibt keinen allmächtigen Gott, das ist eine Fantasievorstellung des Menschen, der Trost und zudem eine Erklärung für das sucht, was er nicht versteht.“ Vorgeschichte Gespräch Einstein und Ben Gurion S. 20




Bei diesem Buch hat mich der Klappentext mit meinem Hang zu Verschwörungstheorien überzeugt.
Thriller meets Physik. Klingt spannend und ich kann schon mal vorwegnehmen: Es wurde nicht zu viel versprochen.
Der Schreibstil ist gehoben, aber recht angenehm zu lesen. Ich muss zugeben, dass ich in den actionreichen Passagen, in denen keine physikalischen Zusammenhänge erklärt wurden, leichter vorankam. Was jetzt nicht heißen soll, dass die Passagen, in denen verschiedene Nebenfiguren dem Protagonisten Tomás Noronah in etlichen Dialogen die unterschiedlichsten physikalischen Theorien erklären, zäh waren. Auch wenn ich manche Sätze mehrmals lesen musste, ich glaube, ich habe in keinem anderen Buch so viel markiert wie in diesem. Physik ist nicht meine Stärke, doch der Autor hat es tatsächlich geschafft, mir das ein oder andere Thema verständlich zu erklären und ich bin wirklich überrascht, wie die ganzen Theorien zusammenhängen, sich widersprechen und dann irgendwie doch nicht. Dieses Buch ist ein Erlebnis und wird immer wieder mit Dan Browns Werken verglichen. Ich persönlich finde, dass sie sich zwar ähneln, aber Dan Brown mehr auf der Thriller-Ebene agiert, während Dos Santos die Theorie viel stärker in den Vordergrund stellt. Zwischen all den actionreichen Sequenzen wirken diese kleinen „Theorie-Inseln“ wie Verschnaufpausen, in denen man sein Hirn betätigt (wie bei einem Zirkeltraining).
Warum gebe ich jetzt nur 4 statt 5 Sterne? Mir war die Geschichte manchmal zu theoretisch. Es ist zwar super, dass ich einiges dazulernen konnte, aber ich hätte mir doch ein klein wenig mehr Leichtigkeit gewünscht. Ich lese meistens abends und muss zugeben, dass ich diesen Roman immer nur in kleinen Dosen genießen konnte, da ich über das Gelesene sehr intensiv nachdenken musste. Das Buch ist anspruchsvoll, und das bewundere ich sehr, denn es steckt sehr viel Gesellschaftskritik, Politik und Wissenschaft in dieser Geschichte. Die zarte Liebesgeschichte, die der Autor in den Plot eingearbeitet hat, lockert das Ganze etwas auf und gibt der Handlung Abwechslung, macht es interessanter.




Eine Geschichte, die nachwirkt und definitiv Spuren hinterlässt. Ich bin dankbar, dass dieses Buch übersetzt wurde und ich es lesen durfte, denn es hat mir auf viele Dinge einen anderen Blickwinkel gegeben. Religion, Politik, Machtstrukturen und die Wissenschaft. Es ist beeindruckend und dennoch beängstigend. Ich kann dieses Buch wirklich jedem empfehlen, der es liebt, beim Lesen gefordert zu werden. Traut euch und stellt euch dem Phänomen der „Gottesformel“



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