Dienstag, 25. April 2017

Neuerscheinung - Lesetipp - Rezension zu Juliet Ashtons "Das Glück wohnt in der Ivy Lane"


Seiten: 400
ISBN: 978-3499290466
Preis: 9,99€ (Print) / 9,99€ (Ebook)
Erschienen: 04/2017
Genre: Belletristik /Frauenroman
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Notting Hill: ein Ort für Liebe, Familie, Freundschaft - und herzerwärmende Schicksale
Eigentlich wohnt Sarah gerne in der Ivy Lane im Westen Londons. Die Hausgemeinschaft ist bunt, man hilft sich aus. Doch seit kurzem ist die Idylle zerbrochen, denn Sarahs Ex-Mann wohnt jetzt ein Stockwerk tiefer - bei seiner neuen Frau. Sarah ist am Boden zerstört und sucht plötzlich die Nähe zu den anderen Nachbarn. Vor allem zu Jane und Tom, den neuen Bewohnern im Hochparterre. Sie helfen Sarah wieder auf die Beine. Trotzdem: Sich neu zu verlieben kommt für Sarah nicht in Frage. Ein Flirt mit Tom schon gar nicht. Schließlich möchte sie keine glückliche Ehe zerstören. Nur eins ist klar: Wenn das Glück in die Ivy Lane zurückkehren soll, dann muss ein Wunder geschehen. Oder am besten gleich mehrere …



Ein süßes Cover, typisch für die Juliet Ashton-Romane, hat mich neugierig gemacht auf die neueste Geschichte der Autorin. Auch der Klappentext konnte mich überzeugen und so habe ich das Buch am Wochenende gemütlich auf der Couch begonnen und nicht mehr aus der Hand gelegt.
Ich hatte schon einige kurzweilige Lesestunden erwartet, doch das mich das Buch dermaßen fesseln und überzeugen würde, damit habe ich nicht gerechnet.
Der Schreibstil ist flüssig und sehr gefühlvoll. Er lässt einen durch die Seiten gleiten und man hat beim Lesen das Gefühl, mit der Geschichte zu verschmelzen.
Sarah und die anderen Bewohner des blauen Hauses in der Ivy Lane sind so herrlich normal, dass man sie (die meisten zumindest) direkt ins Herz schließt. Sie alle haben ihre Probleme und Lebensgeschichten, die sie geprägt haben. Es ist spannend den einzelnen Figuren bei ihrer persönlichen Entwicklung zuzusehen, wobei natürlich die von Sarah im Vordergrund steht.
Was mir zu Beginn der Lektüre sehr geholfen hat, war die Zeichnung des blauen Hauses, auf der den einzelnen Wohnungen ihre Bewohner zugeordnet sind. Das hat mir sehr viel vereinfacht und ich muss gestehen, ich hab öfter mal geschaut, wer jetzt genau in Wohnung C oder Wohnung F wohnt.
Die Erzählung verlor in ihrem Verlauf nie an Dynamik, denn die Autorin hat auf wunderbare Weise immer wieder neue spannende und vor allem unerwartete Handlungsbögen eingebaut. Bis zur letzten Seite habe ich mitgefiebert und mir gewünscht, auch ein Teil dieser wundervollen Hausgemeinschaft zu sein.
Nur einen kleinen Kritikpunkt habe ich leider zu bemängeln, denn der Klappentext passt nicht hundert Prozentig zu dem Roman. Allerdings stellt man das erst beim Lesen fest, wobei das natürlich dem Lesevergnügen keinen Abbruch tut und somit für mich auch nicht in die Bewertung einfließt. Schade finde ich es im Nachhinein dennoch.



"... Wir haben alle diese Trauer eines Verlusts in uns. Es sei denn, wir haben nie geliebt. Das wäre ein noch weit größerer Verlust."

Mavis im Gespräch mit Sarah, S. 97.




Ein wundervoller Liebesroman, der sehr viel Gefühl, Geheimnisse, Wirrungen und eine riesige Portion englischen Charme enthält. Juliet Ashton hat mich mit diesem Buch absolut begeistert und ich habe die abwechslungsreichen Stunden in der Ivy Lane im Herzen von Notting Hill sehr genossen. Ich freu mich schon auf weitere Geschichten aus ihrer Feder und kann das Buch allen Fans von Liebes- und Frauenromanen nur empfehlen.




Montag, 24. April 2017

Lesetipp - Rezension zu Markus Heitz' "Des Teufels Gebetbuch"


Autor: Markus Heitz
Verlag: Knaur
Seiten: 672
ISBN: 978-3426654194
Preis: 16,99€ (Print) / 14,99€ (Ebook)
Erschienen: 02/2017
Genre: Mystery-Thriller
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Der ehemalige Spieler Tadeus Boch gelangt in Baden-Baden in den Besitz einer mysteriösen Spielkarte aus einem vergangenen Jahrhundert. Alsbald gerät er in einen Strudel unvorhergesehener und mysteriöser Ereignisse, in dessen Zentrum die uralte Karte zu stehen scheint. Die Rede ist von einem Fluch. Was hat es mit ihr auf sich? Wer erschuf sie? Gibt es noch weitere? Wo könnte man sie finden? Dafür interessieren sich viele, und bald wird Tadeus gejagt, während er versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Plötzlich steigt der Einsatz: Es ist nicht weniger als sein eigenes Leben.



Als ich dieses Buch gesehen habe, wusste ich, das wird mein erster „Markus-Heitz“ sein, denn ich muss leider gestehen, dass ich ihn zwar kannte, aber noch keines seiner Bücher bis dato gelesen hatte. Das Erste, was mir bei dem außergewöhnlichen Cover auffiel, war der Totenkopf, der mich provokant aus dem Pik heraus anzustarren schien. Der Klappentext verstärkte den Wunsch noch, der Geschichte und den Geheimnissen dieser ungewöhnlichen Karten auf den Grund zu gehen.
Auch wenn Thriller jetzt nicht gerade zu meinen Favorites zählen, so hat mich der Autor von Anfang an absolut in seinen Bann gezogen.
Sein Schreibstil ist wirklich genial. Er passt sich sprachlich so authentisch an die einzelnen Situationen an. Er transportiert damit nicht nur Stimmungen, sondern auch Zeitgefühl. Ich weiß nicht, ob das das treffende Wort ist, aber gerade die Textpassagen, die im Leipzig zu Goethes Zeit (und teils mit Goethe selbst) spielten, haben mich besonders fasziniert. Sowohl die Dialoge als auch die Rahmenerzählung war so harmonisch in den historischen Kontext eingepasst, dass ich das Gefühl hatte, zwischen den zeitversetzten Handlungsebenen zu springen. Mit seinen Worten kreiert Markus Heitz eine unglaubliche Atmosphäre, die mich mitgezogen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen hat.
Die Haupt- und Nebenfiguren sind allesamt sehr eigen. Für keine dieser Personen konnte ich wirklich Sympathien entwickeln, denn jede von ihnen hatte irgendwas Niederträchtiges an sich, das im Laufe der Zeit irgendwie zum Vorschein kam. Leben und Tod, Gut und Böse, all das steht in diesem Roman sehr nah beieinander und die Abgründe der menschlichen Psyche, wie leicht man sie verführen kann, werden sehr plastisch und überzeugend dargestellt. Auch wenn zum Ende ein paar kleinere Fragen (wirklich kleine Spitzfindigkeiten) offen blieben, muss ich gestehen, dass ich absolut begeistert bin.
Die Handlung ist sehr gut recherchiert und im Anhang erklärt Markus Heitz, warum er das Thema der Karten gewählt hat und gibt einen kurzen historischen Exkurs zur Geschichte des Kartenspiels, was mir persönlich wirklich sehr gut gefallen hat.



Markus Heitz ist wahrlich ein Meister auf seinem Gebiet. Er konnte mich absolut überzeugen und ich habe das Buch verschlungen. Eine Geschichte voller Spannung, unerwarteter Wendungen, Verschwörungen und Geheimnissen. Immer wieder stellte ich mir die Frage, auf welcher Seite würde ich stehen, wie weit würde ich gehen und hätten die Karten womöglich auch diese Anziehungskraft auf mich?

Ein absolutes Must-Read für Thriller-Fans.




Samstag, 22. April 2017

Lesetipp - Rezension zu Elaine Winters "Das Geheimnis von Chaleran Castle"


Seiten: 264
Preis:  6,99€ (Ebook)
Erschienen: 04/2017
Genre: Belletristik
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Eine Burg voller Geheimnisse. Ein schottischer Clan. Eine dramatische Familientragödie.
Ein spanischer Obsthof um 1900: Als ein äußerst attraktiver und zuvorkommender Schotte Zitronenbäume kaufen will, verliebt sich Sofia, die Tochter des Obstbauern, mit Haut und Haaren in ihn. Sie muss jedoch gegen ihre Gefühle kämpfen, denn ein Zusammensein ist ausgeschlossenen. Logan ist bereits verlobt und wird nach seiner Rückkehr in die Heimat heiraten. Doch dann sorgt eine Mondscheinnacht für weitreichende Konsequenzen ...
Schottland, 2016: Reisejournalistin Felicia ist begeistert, als sie für ein Magazin einen Bericht über Schottland schreiben soll. Sie liebt die raue Natur dort und zur Isle of Skye spürt sie sofort eine tiefe Verbundenheit. Doch als Amelia Chaleran, die Besitzerin ihrer Unterkunft, ihr für die Recherche eine Holzschatulle mit Briefen und Tagebuchaufzeichnungen ihrer Vorfahren anvertraut, stößt Felicia auf eine schmerzliche Familientragödie, die sie zutiefst schockiert.




Dieses Buch musste ich lesen, denn das Titelbild und auch der Klappentext haben mich direkt angesprochen. Viele wundervolle Erinnerungen wurden wachgerufen, da ich bei meinem ersten Schottland-Trip sowohl die Isle of Skye als auch Eilean Donan (das Schloss auf dem Titelbild) besucht habe. Voller Neugier hab ich mich auf den Roman gestürzt und bin mit Felicia erneut nach Schottland gereist und habe durch ihre Augen sehr viel Neues und Spannendes kennengelernt. Ein paar ihrer Erlebnisse konnte ich aus meiner eigenen Erfahrung nachempfinden, wie zum Beispiel ihre Mary Kings Close-Tour durch Edinburghs Old Town unterhalb des heutigen Edinburghs.
Die Erzählung ist in zwei Zeitebenen aufgeteilt. Im Haupterzählstrang erleben wir, wie die junge Felicia für ihren Arbeitgeber nach Schottland reist, um für ein Reisemagazin touristische Geheimtipps auszugraben. Auf Skye, ihrem ersten Anlaufpunkt, mietet sie sich auf Chaleran Castle ein, freundet sich mit den Besitzern an und kommt dabei einem großen Familien Geheimnis auf die Spur. Der zweite Handlungsstrang spielt Anfang der zwanziger Jahre (hier ist ein kleiner Fehler im Klappentext, denn dort wird um 1900 erwähnt) in Spanien. In diesen Sequenzen aus der Vergangenheit wechselt die Erzählform und wir erleben die Geschichte von Sofia und Logan mal aus Tagebucheinträgen, Briefen und aus Sofias Erzählungen.
Sprachlich entführt Elaine Winter ihre Leser äußerst detailreich und bildgewaltig, ohne dabei anstrengend oder zäh zu werden. Die Handlung ist abwechslungsreich und man taucht in die wundervolle Welt Schottlands und deren Menschen ab. Der typische Charme der rauen Insel und ihrer herzlichen Menschen, die Geheimnisse und Mythen, die sich um dieses Land ranken, werden wirklich wundervoll dargestellt. Der einzige Kritikpunkt meinerseits (neben dem Fehler im Klappentext) ist, dass ich die Handlung sehr schnell durchschaut hatte und mir der Lösungsweg dann ein bisschen langatmig vorkam. Dennoch muss ich sagen, dass mich das Land und die Beschreibungen so fasziniert haben, dass ich das Buch dennoch wirklich sehr gerne gelesen habe.





Ich liebe Schottland und dieses zauberhafte Buch hat mich für ein paar wundervolle Lesestunden dorthin entführt. Auch wenn die Geschichte für mich ein wenig geheimnisvoller hätte sein können (das Geheimnis war leider ziemlich früh zu erkennen, wobei der Weg dorthin dennoch interessant war), kann ich dieses Buch wirklich ans Herz legen. Wer Familiengeschichten liebt, ist hier gut aufgehoben. Ich habe jetzt wieder den schmerzhaften Wunsch, die High- und Lowlands zu besuchen und werde sicher erneut auf Skye haltmachen und vielleicht auch nach dem ein oder anderen von Felicias Reisetipps suchen.




Freitag, 21. April 2017

Kinderbuch-Lesetipp - Rezension zu Karen-Susan Fessels "Frieda Fricke - unmöglich!"

Verlag: Kosmos
Seiten: 192
ISBN: 978-3440152867
Preis: 9,99€ (Print)
Erschienen: 02/2017
Genre: Kinderbuch
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Frieda Fricke ist einfach unmöglich! Finden manche Erwachsene. Frieda findet das gar nicht. Sie sagt halt, was sie denkt. Und sie denkt genauso schnell, wie sie rennen kann! Das ist auch gut so, denn Frieda lebt bei ihrer Tante Siggi, zusammen mit sechs Milchkühen, ihrem Hund Lupo, der tüdeligen Tante Emmi. Tante Siggi wird das alles ein bisschen zu viel. Da müssen Frieda und ihre Freunde sich etwas einfallen lassen. Zur Not auch mit Hilfe der nervigen Nora-Lynn und von Mitja, dem Schnösel aus der doofen Großstadt!




Wir haben diese Geschichte für eine Leserunde gelesen. Meine Tochter Helena war sofort vom Cover begeistert, denn sie liebt Kühe und sie wollte direkt wissen, was für eine Rolle die in der Story haben.
Jeden Abend haben wir es uns in ihrem Bett gemütlich gemacht und sind in die Bauernhofwelt von Frieda Fricke vom Außendeich abgetaucht. Sie lebt als Waise bei ihrer Tante und Großtante, hat sechs Kühe und bringt am liebsten ihren Lehrer um den Verstand. Die einzelnen Figuren, die die Autorin sehr liebevoll gestaltet hat sind allesamt lustig und irgendwie eigen. Es geht um Vorurteile, Freundhaft und Hilfsbereitschaft. Die Handlung besticht weniger durch viel Abenteuer und Action, sondern viel eher durch die Macht und Stärke, die man entwickelt, wenn man zusammenhält.
Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich sehr gut vorlesen. Mir gefällt besonders gut, wie der Norddeutsche-„Slang“ verarbeitet wurde. Dank Frieda wissen wir jetzt was ein Husmannhus ist und warum es gute Stube heißt. Wir mochten die comicartigen Schwarz-Weiß-Zeichnungen sehr gerne, auch wenn ein paar mehr das Buch sicher noch interessanter für meine Tochter gemacht hätten. Helena geht noch in den Kindergarten, aber sie freut sich schon riesig auf die Schule. Das Buch ist ideal für erste Leseversuche, aber auch zum Vorlesen, auch wenn Kinder, die noch nicht in die Schule gehen, vielleicht manche Dinge nicht so ganz nachempfinden können.




Wir hatten wirklich viel Spaß beim Lesen. Das Leben von Frieda und ihren Freunden mit den Kühen auf dem Außendeich ist wirklich etwas Besonderes und lehrt die kleinen und großen Bücherwürmer, wie wichtig es ist, dass man sich beisteht und zusammenhält. Es geht um Vorteile, Respekt und Freundschaft, alles Dinge, die unser Leben so viel leichter machen können.




Donnerstag, 20. April 2017

Lesetipp - Rezension zu Björn Berenz' "Ach du dickes Ding"


Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 400
ISBN: 978-3404174867
Preis: 10,00€ (Print) / 8,49€ (E-Book)
Erschienen: 02/2017
Genre: Humor
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Okay, in einer Nacht- und Nebelaktion ein Nilpferd aus dem Kölner Zoo zu entführen, war vielleicht nicht unbedingt Simons beste Idee. Aber er ist nun mal davon überzeugt, dass in Daisy die Seele seiner verstorbenen Frau wohnt - und kann nicht zulassen, dass der skrupellose Zoodirektor das Hippo als Lebendfutter verwurstet! Und so kutschiert Simon jetzt gemeinsam mit Spediteurin Eva und dem buddhistisch angehauchten Tierpfleger Hagen, der ebenfalls an Simons Seelenwanderungstheorie glaubt, ein reisekrankes Nilpferd quer durch Europa. Ziel: ein Nationalpark in Kenia. Aber wie soll man so ein Vieh bloß unerkannt nach Afrika bringen - wenn gleichzeitig die Polizei, eine rumänische Diebesbande und die Mafia hinter einem her sind?




Dieses Buch hat mich wegen seinem sehr skurrilen und humorvollen Klappentext neugierig gemacht. Das Titelbild passt zwar sehr gut zum Inhalt, konnte den Cover-Gollum in mir aber nicht so recht reizen.
Der Einstieg war recht einfach, denn die Sprache, die der Autor verwendet ist recht einfach und spritzig gehalten, mit einigen Wortspitzen durchzogen und liest sich recht flüssig. Auch die Szenen- und Personenbeschreibungen stellen jetzt keine größeren Probleme dar.
Die Charaktere fand ich recht gelungen. Simon, der den Tod seiner Frau nicht verwunden hat, seine Mutter, die irgendwie das nicht akzeptieren will, da er zu jung ist den Kopf in den Sand zu stecken. Dann Hagen, der durchgeknallte Tierpfleger, und nicht zuletzt das Nilpferd, das die Reinkarnation von Simons verstorbener Frau sein soll und unbedingt zurück nach Kenia gebracht werden muss.
Ihr seht schon, lauter Figuren und Situationen, die einiges an Turbulenzen und Action versprechen.
Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen, es war kurzweilig und hat mich recht gut unterhalten, auch wenn ich mir ein wenig mehr Witz erhofft hatte und immer wieder auf den Wow-Effekt wartete.




Lust auf einen humorvollen Road-Trip der anderen Art? Begleitet von einer irgendwie durchgeknallten Reisegruppe? Dann seid ihr hier absolut richtig. Der Autor hat einen lustigen Roman geschrieben, der mir einige Lacher entlockt und einige kurzweilige Lesestunden bereitet hat. Absolut lesenswert für Freunde lustiger Romane.




Dienstag, 18. April 2017

Lesetipp - Rezension zu Dan Vyletas "Smoke"


Titel: Smoke
Autor: Dan Vyleta
Seiten: 624
ISBN: 978-3570585689
Preis: 16,99€ (Print) / 9,99€ (E-Book)
Erschienen: 03/2017
Genre: Fantasy-Thriller
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Wie sähe eine Welt aus, in der jede Sünde, jeder dunkle Gedanke sichtbar wäre? Smoke entführt den Leser in ein England vor hundert Jahren, in dem jede Verfehlung mit Rauch bestraft wird, der dem Körper entweicht. Auch Thomas und Charlie, Schüler eines Elite-Internats, werden immer wieder durch Rauch-Attacken gebrandmarkt, wenn sie den strengen Schulregeln nicht genügen. Doch dann finden sie – fast zufällig – heraus, dass die Gesetze des Rauchs längst nicht für alle gelten. Wieso gibt es böse Menschen, die nicht von Ruß befleckt sind? Und welche Rolle spielt der Rauch bei den sozialen und politischen Umbrüchen ihrer Zeit? Auf der Suche nach der Wahrheit begeben sich die Freunde auf eine dramatische Reise voller riskanter Abenteuer und düsterer Intrigen und rufen damit schon bald mächtige Feinde auf den Plan...





Dieser Roman hat mich wirklich neugierig gemacht, denn sowohl der Klappentext als auch das geheimnisvolle Cover versprachen ein wahres Buch-Highlight.
Der angenehme (aber dennoch anspruchsvolle) Schreibstil hat mich direkt abgeholt und in eine längst vergangene Zeit entführt. Die Geschichte ist gut durchdacht und super umgesetzt. Der Rauch als Sinnbild der Sünde. Ein wirklich toller Einfall. Man sieht jedem direkt an, wenn er sündigt und dennoch scheint es Schlupfwinkel zu geben. Gesellschaftskritik vom Feinsten. Man erlebt das prüde viktorianische Zeitalter beinahe hautnah. Verfolgt zwei Freunde auf ihrer Suche nach der Wahrheit. Man lernt ihre Widersacher und deren Beweggründe kennen, und man fragt sich dauernd, sind die Menschen wirklich so? Ich würde noch so gerne mehr dazu sagen, doch ich möchte wirklich niemandem zu viel vorwegnehmen. Die Spoilergefahr ist leider sehr hoch. Die Handlung des Romans wurde von Dan Vyleta sehr gut herausgearbeitet. Seine Liebe zu kleinen Details lassen die Story sehr authentisch und lebendig wirken. Das Buch ist genial, bitte versteht mich nicht falsch. Ethik, Gesellschaftskritik, historische Grundlagen, all das wurde so grandios miteinander verwoben, ja beinahe komponiert, sodass der Leser mitgenommen wird, auf eine Reise in die Vergangenheit und irgendwie auch zu sich selbst. Was ist ein Mensch und was bedeutet menschlich. Sind wir verschieden, sind wir gleich oder sind manche gar gleicher? Was bedeutet Geld und Einfluss? Ich wurde mit so vielen Fragen und Eindrücken konfrontiert, dass ich dieses Werk nur Häppchenweise genießen konnte.
Und genau hier kommt meine Kritik ins Spiel. Manche Szenen sind dermaßen realistisch, dass ich kurz davor war, das Buch abzubrechen. Das liegt aber nicht an der Qualität der Lektüre, sondern einzig und allein daran, dass mich gewisse Wahrheiten, Personen und Aktionen so geschockt haben, dass ich tatsächlich am Guten in jedem Menschen gezweifelt habe. Dan Vyleta ist teilweise so schonungslos ehrlich, dass es schmerzt und ich oft und lange über das, was ich gelesen habe, nachdenken musste. Es ist ein Roman, der definitiv zum Nachdenken und Hinterfragen anregt.




Selten hat ein Buch mit mir so gerungen wie dieses. Nicht, weil es schlecht war, sondern so gut und schonungslos direkt, dass ich meine Probleme damit hatte. Der Autor hat meinen Verstand in manchen Momenten zur Verzweiflung getrieben, denn ich neige dazu, vor den Abgründen der menschlichen Psyche die Augen zu verschließen, wenn die Dinge zu brutal werden. Auf dem Buchrücken wird es wie folgt beschrieben: 
„Smoke ist ein sprachmächtiger, überbordend einfallsreicher Roman und zugleich eine kluge Parabel, die facettenreich die existenziellen Fragen nach Macht und Moral, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse beleuchtet.“ 
Und das trifft es wirklich gut. Ein Buch, das ich jedem empfehlen kann, der gerne Bücher liest, die in die Tiefe gehen und unbequeme Dinge ansprechen und hinterfragen.






Freitag, 14. April 2017

Lesetipp - Rezension zu Laura Kneidls "Water & Air"


Titel: Water & Air
Autor: Laura Kneidl
Verlag: Carlsen
Seiten: 480
ISBN: 978-3551315441
Preis: 12,99€ (Print) / 11,99€ (E-Book)
Erschienen: 03/2017
Genre: Jugendfantasy (Dystopie)
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Eine Leseprobe findest du hier





Seit dem Anstieg der Meeresspiegel leben die Menschen in Kuppeln unter Wasser oder in der Luft. Mit ihren achtzehn Jahren hat Kenzie noch nie die Sonne gesehen und ihr Leben in der Wasserkolonie unterliegt strengen Normen. Schließlich hält sie es nicht mehr aus und flieht in eine Luftkolonie, um dort einen Neuanfang zu wagen. Doch dann wird sie zur Hauptverdächtigen in einer mysteriösen Mordserie und nur Callum mit dem geheimnisvollen Lächeln hält zu ihr. Aber nicht nur den beiden droht Gefahr, auch das Schicksal der gesamten Kolonie steht auf dem Spiel.



„Water & Air“ in einer schönen Schrift, gepaart mit verschiedenen Blautönen und etlichen Kreisen und Schnörkel. Auch wenn das Titelbild recht schlicht gehalten ist, so hat es mich dennoch fasziniert und neugierig auf den Inhalt gemacht.
Der Einstieg ist recht flüssig und durch den angenehm zu lesenden Schreibstil taucht man sehr schnell und einfach in die Geschichte ein. Man lernt die Protagonistin Kenzie und ihren besten Freund kennen und wird nach und nach in das Leben unter Wasser und den damit einhergehenden Regeln eingeführt. Das Buch spielt in einer Zukunft, in der die Welt, wie wir sie kennen, nicht mehr existent ist. Die (verbliebene) Menschheit lebt in Luft- und Wasserkolonien. Jede Kolonie hat ihr eigenes Wirtschaftssystem und eigene Gesetze, denen sich ihre Bewohner unterwerfen müssen.
Laura Kneidl hat ein sehr gesellschaftskritisches Zukunftsszenario geschaffen. Auch wenn ich eigentlich kein Dystopie-Fan bin, so hat mich diese Version doch überzeugt. Neben den sehr authentischen und (meist, natürlich nicht alle) liebenswürdigen Protagonisten hat mich vor allem die Gedankenebene fasziniert, auf der ich mich beim Lesen bewegt habe… Klingt erst mal komisch, ist aber ganz leicht. Die Autorin hat ein mögliches Zukunftsszenario entworfen. Wie könnte die Menschheit weiterexistieren, wenn unsere Kontinente nicht mehr bewohnbar sind? Wie sind die Lebensgemeinschaften organisiert und welche Vorteile und Probleme resultieren daraus? Sie zeigt geschickt auf, dass jedes System Licht- und Schattenseiten hat und ich war immer wieder hin- und hergerissen, welche Kolonie ich bevorzugen würde. Die sozialkritischen und ethischen Aspekte waren neben der actiongeladenen Handlung und den gefühlvollen Momenten für mich die absoluten Pluspunkte.




Ein Roman, der sehr viel mehr Tiefgang zwischen den Buchdeckeln hatte, als ich zuerst annahm. Die Handlung ist vielseitig und abwechslungsreich, sodass man während dem Lesen stets gut unterhalten wird. Mir persönlich hat diese dystopische Erzählung sehr gut gefallen, denn Spannung, Liebe und Intrigen werden gelungen miteinander verwoben. Ich kann dieses Buch wirklich jedem Dystopie- und Fantasy-Fan empfehlen, der gerne Jugendbücher liest.